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10.11.2011 21:13 Alter: 189 days
Kategorie: Karate

Johanna Fuchs (17 Jahre) vom 1. Bruchsaler Budoclub

Johanna Fuchs (17 Jahre) vom 1. Bruchsaler Budoclub schafft es ins Achtelfinale bei den Karate-Weltmeisterschaften 2011 in Malaysia.


Johanna Fuchs bei den Karate-Weltmeisterschaften in Malaysia

Johanna Fuchs bei den Karate-Weltmeisterschaften in Malaysia

Frage: Hallo Johanna, vor wenigen Tagen bist Du aus Malaysia zurückgekehrt, wo Du an der Karate- Weltmeisterschaft der Junioren teilgenommen hast. Wie ist es für Dich und das deutsche Team gelaufen?

Antwort: Insgesamt lief es gut für das deutsche Team: Wir haben eine Silber- und zwei Bronzemedaillen mitgebracht, dazu kamen drei 5. Plätze. Ich hab es in meiner Klasse bis in die dritte Runde und damit ins Achtelfinale geschafft, was für mich persönlich schon ein Erfolg war, da es mein erster Wettkampf in dieser Größenordnung war.

Frage: Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass in vielen anderen Nationen der Karatesport einen viel höheren Stellenwert genießt und die Athleten intensiver gefördert werden als hierzulande, sind Eure Platzierungen also mehr als ein Achtungserfolg. Herzlichen Glückwunsch! Welche Teams bzw. Einzelsportler haben Dich denn am meisten beeindruckt?


Antwort: Wirklich sehr gut waren die Ägypter und das türkische Team. Die haben in fast jeder Klasse obere Ränge belegt und waren ihren Gegnern auch meist weit überlegen. Da waren Technik und Taktik optimal eingestellt, das hat immer Spaß gemacht, da zuzuschauen.

Frage: Karateturniere sind meist sehr emotionale Veranstaltungen, bei denen das Publikum die Athleten unablässig unterstützt und anfeuert. Wie war die Atmosphäre vor Ort?

Antwort: Die Atmosphäre war super! Jede Mannschaft hatte ihre  eigenen Anfeuerungsrufe und es war immer was los. Leise wurde es jedenfalls nie in der Halle. Teilweise hatte das ganze mit Hupen und Tröten schon fast Fussballcharakter. Unser Anfeuertrupp war zwar nicht so groß wie bei manch anderem Land, aber wir konnten  trotzdem ganz gut mithalten, wenn einer unserer Kämpfer an der Reihe war. Man hatte immer die Unterstützung des ganzen Teams im Ohr, auch wenn das beim Kämpfen natürlich ziemlich ausgeblendet wird.

Frage: Nun hast Du ja zusammen mit Deiner Mutter Astrid im wahrsten Sinne des Wortes eine Weltreise unternommen, um die deutschen Farben zu vertreten. Wie hat Malaysia als Land auf Dich gewirkt, welchen Eindruck hast Du von den Menschen dort gewonnen?

Antwort: Ich hatte es mir viel exotischer vorgestellt. Wir haben dann aber erfahren, dass Malaysia mehrere hundert Jahre lang unter europäischer Kolonialherrschaft stand und erst 1957 unabhängig wurde, das merkt man. Es ist also ein stark westlich geprägtes und orientiertes Land. Was wir von der Stadt gesehen haben, war nicht viel anders als bei uns. Die Menschen waren alle sehr freundlich und offen. Da überall in der Stadt Karate-Nationalmannschaften herumliefen waren sie meist nicht sehr überrascht, aber immer interessiert. Insgesamt konnte ich eigentlich nur positive Erfahrungen mit den Malaysiern verbuchen.

Frage: Johanna, Du bist jetzt 17 Jahre alt und wirst als eine der besten Karatekämpferinnen in Deutschland und Europa angesehen. Mit wieviel Jahren hast Du eigentlich angefangen zu trainieren? Und: wieviele Titel hast Du seither gesammelt?

Antwort: Mit Karate angefangen habe ich mit acht und auf die ersten Wettkämpfe bin ich dann mit neun gegangen. Seitdem war ich dreimal Deutsche Meisterin, einmal Vizemeisterin und einmal belegte ich  den dritten Platz. Bei den Landesmeistertiteln muss ich überlegen...ich glaube, das waren 7 Meistertitel. Natürlich macht man auch noch andere Wettkämpfe als diese, aber das sind auf jeden Fall Pflichtveranstaltungen, wenn man weiter kommen will.

Frage: Eine solche Karriere im Leistungssport hinzulegen, ohne auf ein so umfassendes Fördersystem wie z.B. im Fußball zurückgreifen zu können, erfordert bestimmt enorme Eigeninitiative und den unerschütterlichen Rückhalt Deiner Familie. Gab und gibt es noch weitere Personen, die Dich auf Deinem Weg unterstützt haben?

Antwort: Das stimmt absolut, ohne Eltern, die auf die Wettkämpfe etc. fahren, funktioniert nichts. Aber auch ohne gute Trainer, also solche, mit denen es sowohl auf menschlicher als auch auf Karateebene passt, kommt man nicht weit. Dass ich überhaupt erst mit dem Kämpfen begonnen habe, verdanke ich meinem langjährigen Trainer Günther Herold, der leider letztes Jahr verstorben ist. Er hat mich sehr lange auf meinem Weg begleitet und sich in jeder Hinsicht  um seine Schützlinge so gut gekümmert, wie kaum ein anderer es leisten kann.

Frage: Dein Bruder Valentin ist ja ähnlich erfolgreich wie Du. Deine Mutter trägt sogar den schwarzen Gürtel, Ihr seid also eine echte Karatefamilie. Was bedeutet Karate für Dich? Kannst Du Dir erklären, warum Karate in Deutschland als Randsportart behandelt wird, gerade in den Medien?

Antwort: Für mich ist Karate der Ausgleich zum Alltag. Wenn ich gestresst aus der Schule komme, tut es einfach gut, mich komplett auf etwas anderes zu konzentrieren und  abzureagieren. Außerdem kann ich durch den Sport Erfahrungen machen, die mich enorm weiterbringen und auf die nur sehr wenige in meinem Alter zurückgreifen können. Allgemein sind die asiatischen Kampfsportarten wohl in Deutschland noch unter den Exoten einzuordnen. Allerdings kommen z.B. Judo oder Taekwondo dabei besser weg als Karate, das es, im Gegensatz zu diesen,  leider noch nicht geschafft hat, zu Olympia zugelassen zu werden, vielleicht kommt das ja noch.

Frage: Johanna, der Sprung ins Lager der Erwachsenen steht nun unmittelbar bevor, wie schätzt Du Deine weiteren Aussichten bei nationalen und internationalen Wettkämpfen ein? Es wird ja bestimmt nicht leichter, Schule und bald auch Studium mit professionellem Training zu vereinen.

Antwort: Gerade der Sprung in die Altersklasse der Erwachsenen ist ziemlich schwierig. Da sieht es im ersten Jahr oft relativ schlecht aus. Noch dazu habe ich vor, nach dem Abitur, das in 2012 ansteht, ein Jahr im Ausland zu verbringen, wo es mit Training schwierig wird. Wie es dann im Studium genau aussieht, kann ich jetzt natürlich noch nicht sagen, aber ich bin überzeugt davon, dass, wenn man wirklich will, es auch möglich ist, dran zu bleiben und Leistungssport und Studium zu verbinden.

Johanna, vielen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute und viel Erfolg.


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